Was bedeuten „Planetare Grenzen“ für Verpackungshersteller?

Irgendwie ist sie ein wenig ins Hintertreffen geraten, die Klimadebatte. Während im vergangenen Jahr noch wöchentlich Berichte über Klimademonstrationen in den Medien erschienen, hat das Corona-Virus die Forderungen nach Nachhaltigkeit und Klimaschutz in den Hintergrund gedrängt.

Auch wenn sich das Klima während des Lock-Downs weltweit kurzfristig verbessert hat – wir spielen weiterhin mit dem Feuer, was die Belastbarkeit und die Lebensvorräte unseres Planeten Erde angehen. Wir reizen die sogenannten „Planetaren Grenzen“ aus.

Das Konzept der „Planetaren Grenzen“ (engl. Planetary Boundaries) wurde 2009 von einer Gruppe internationaler Wissenschaftler um den schwedischen Professor Johan Rockström veröffentlicht („A safe operating space for humanity - Ein sicherer Handlungsspielraum für die Menschheit“). Es umfasst neun globale Prozesse, die die Belastungsgrenzen des Planeten bestimmen und den Zustand der Erdgesundheit darstellen:

  • Intaktheit der Biosphäre (Grenze irreversibel überschritten)

Die genetische und die Artenvielfalt sind Voraussetzung für ein intaktes Leben auf der Erde. Diese Grenze wurde bereits durch einseitige Massentierhaltung, Überjagung/-fischung und die Zerstörung von Lebensräumen irreversibel überschritten.

  • Klimawandel (Grenze leicht überschritten)

Durch die Verbrennung fossiler Ressourcen wie Öl, Gas und Kohle werden klimaschädliche Gase freigesetzt, die verhindern, dass auf die Erde eintreffende Strahlung reflektiert wird. Dies führt zur Erwärmung, schmelzenden Polkappen und einem Anstieg des Meeresspiegels, und damit zu einer Bedrohung von Leben im Wasser und an Land.

  • Neue Substanzen und Lebensformen (Grenze noch nicht definiert)

Als neue Substanzen werden langlebige, giftige Stoffe wie Pestizide, Schwermetalle, radioaktive Materialien oder Nanopartikel bezeichnet, die eine massive Auswirkung auf Lebewesen haben können und irreversible Schädigungen (auch am Erbgut) hervorrufen können. Diese können zum Großteil in der Natur nicht (oder nur sehr langsam) abgebaut werden. Neue Lebensformen sind gentechnisch modifizierte Organismen.

Aufgrund der Vielzahl an Stoffen und der Komplexität der Wirkungsketten wurde bisher noch kein Grenzwert definiert.

  • Ozonverlust in der Stratosphäre (Grenze nicht überschritten)

Die Ozonschicht der Erde schützt Lebewesen vor schädlicher UV-Strahlung der Sonne. Das weltweite Verbot von unsere Ozonschicht zerstörenden Substanzen in den 1980er Jahren führte zu einer Schließung der Ozonlöcher und zur Unterschreitung dieser Grenze.

  • Belastung der Atmosphäre mit Aerosolen (Grenze noch nicht definiert)

Eine zu hohe Konzentration von Aerosolen – kleinsten, oft giftigen, flüssigen oder festen Schwebeteilchen in der Luft – ist schädlich für die Umwelt. Aerosole haben einen direkten Einfluss auf die Erderwärmung, da sie die UV-Strahlung nicht reflektieren bzw. sie absorbieren. Durch das Einatmen von u.a. belastetem Feinstaub und Dieselruß sterben jährlich einige Millionen Menschen weltweit.

  • Versauerung der Meere (Grenze noch nicht überschritten)

Die Weltmeere nehmen etwa ein Viertel des durch den Menschen generierten CO2 auf, indem sie es in Kohlensäure umwandeln. Dies ist zum einen vorteilhaft für das Klima, zum anderen führt dies zu seiner Versauerung der Meere und damit zur Bedrohung für das Wachstum von Korallen, Plankton und Krebstieren.

  • Biogeochemische Flüsse (Grenze irreversibel überschritten)

Die biogeochemischen Flüsse von Phosphor und Stickstoff sind durch den Menschen massiv beeinflusst worden: Die Überdüngung in der Landwirtschaft hat zur Folge, dass die Mengen der für das Wachstum notwendigen Stoffe von den Pflanzen gar nicht mehr aufgenommen werden können. So landen sie in Gewässern, Wäldern, in der Luft oder anderen Ökosystemen. Dort treiben sie einerseits das Wachstum von Algen voran, deren Abbau Sauerstoff bindet und ihn somit anderen Lebewesen entzieht. Andererseits wirken sie giftig auf die Lebewesen.

  • Süßwassernutzung (Grenze noch nicht überschritten)

Die Süßwasservorräte der Erde werden direkt vom Klimawandel beeinflusst. Zusätzlich hat der Mensch durch das Begradigen und Aufstauen von Flüssen, durch übermäßige Entnahme und durch Verschmutzung einen negativen Beitrag zum Süßwasserkreislauf geleistet. Annahmen zeigen, dass im Jahr 2050 eine halbe Milliarde Menschen mit Wassernot zu kämpfen hat. Trotzdem ist diese Grenze momentan noch nicht überschritten.

  • Landnutzungswandel (Grenze leicht überschritten)

Durch die Umwandlung von Wäldern, Grasland oder Feuchtgebieten zu Ackerland hat der Mensch massiv in das biologische Gleichgewicht der Erde eingegriffen. Wälder sind für die Artenvielfalt und als CO2-Speicher und somit für den Klimaschutz unverzichtbar. Heute schon ist diese Grenze leicht überschritten. Durch Wieder-Aufforstung und Schaffung von Ökosystemen könnte der Mensch hier noch entgegen steuern.

Laut Aussage der Wissenschaftler haben wir bereits bei vier Bereichen den sicheren Handlungsspielraum verlassen, was für Mensch und Tier ein Risiko für gravierende Folgen darstellt. Gerade die Grenzen Klimawandel und Artenvielfalt sind dabei von entscheidender Bedeutung – werden sie deutlich überschritten, hat dies inakzeptable Erdveränderungen zur Folge und führt zu unvorhersehbaren neuen Lebensbedingungen.

Planetare Grenzen BMU

 

Was bedeuten die „Planetaren Grenzen“ nun für uns Verpackungshersteller?

Zum einen gilt es, den gesamten Verpackungslebenszyklus zu betrachten: Von den Rohstoffen, die für Verpackungen benötigt werden, über den Produktionsprozess der Verpackung, den Transport, die Entsorgung bis schließlich hin zur Verwertung und Wiederverwendung.

Dabei sollten diejenigen Materialien und Prozesse Vorrang erhalten, die möglichst geringe Auswirkungen auf die „Planetaren Grenzen“ haben. Ein wirklich nachhaltig handelndes Verpackungsunternehmen wird sich zum Beispiel fragen,

  • ob nachwachsende Rohstoffe in ihrer Gesamtbilanz positiver ausfallen als fossile Rohstoffe (für die Herstellung sogenannter Biofolien werden beispielsweise große Anbau-Flächen benötigt, die Lebensräume für Tiere darstellen);
  • welche Auswirkungen die Verpackungsherstellung auf die Umwelt und das Leben hat (für die Herstellung von Papier werden beispielsweise große Mengen Holz benötigt, und sie ist wasser- und energie-intensiv);
  • welche Optimierungen am Verpackungsdesign vorzunehmen sind, damit im Recyclingprozess qualitativ hochwertige Rezyklate hergestellt werden können (Volumen und Gewicht sind z. B. auf das für die Funktion der Verpackung Notwendigste zu reduzieren, unabhängig von der Verbraucherakzeptanz oder der Vermarktung des Produkts);
  • wie die Verpackungslogistik so optimiert werden kann, dass es nur wenige Abfälle, Redundanzen und Verschrottungen gibt (so kann der Produktionsprozess an den tatsächlich benötigten Mengen ausgerichtet werden).

Leider handeln viele Unternehmen einseitig aus wirtschaftlichen Interessen und propagieren nachhaltige Lösungen, die vom Verbraucher zwar positiv wahrgenommen werden, die häufig hinsichtlich der Auswirkungen auf unseren Planeten aber wenig nachhaltig sind.

Als Hersteller von Folienverpackungen versuchen wir täglich, die nachhaltigste, aber dennoch funktionalste Lösung zu finden – vom Material und Produktdesign, über Logistikvorteile durch bedarfsorientierte und digitalisierte Produktion bis hin zur Ausrichtung unseres eigenen betrieblichen Handelns (wir sind ab 2021 klimaneutral!).

Alle Markenartikler, Handelsunternehmen und Verbraucher sollten sich ebenfalls an dem Ansatz der „Planetaren Grenzen“ orientieren und fragen, welche Lösungen wirklich dazu beitragen, die Ressourcen unseres Planeten zu schonen und das Leben zu erhalten.

Durch kluges Handeln könnte der Mensch das Ruder wenigstens zum Teil noch herumreißen. Lassen Sie uns daher die planetaren Grenzen im Auge behalten und den Raubbau an unserer Lebensgrundlage – unserem Planeten – einstellen!

Über den Autor

"WIR HANDELN NACHHALTIG AUS ÜBERZEUGUNG!"

Maag-Geschäftsführer Ansgar Schonlau ist Diplom-Wirtschaftsingenieur und hat langjährige Erfahrung in der Druck- und Verpackungsindustrie mit dem Schwerpunkt auf Flexible Verpackungen.  Er ist engagierter Verfechter der Supply-Chain-Optimierung zur Vermeidung aller Arten von Verschwendung, hat in seinem Unternehmen schon früh Lean Management eingeführt und setzt sich für die Kreislaufwirtschaft von Folienverpackungen ein.